Erfahrungen mit einem Bodhisattva (Seminar 2)

Da habe ich doch am Ende des Retreats vor lauter Dankbarkeit und Freude über das Erfahrene meine Zusage gegeben, einen kleinen zusammenfassenden Bericht darüber zu schreiben. Doch wieder zurück in meinem samsarischen Kleshatal, erscheint das Vorhaben schwieriger als gedacht. Es ist mir, als wollte ich einen fertigen Kuchen wieder in seine Einzelzutaten zerlegen. Das wird mir nicht gelingen, daher versuche ich es nicht erst. Aber ich kann über die Auswirkungen, die Veränderungen schreiben, die die Begegnungen mit Tsoknyi Rinpoche hervorgerufen haben.

Bereits nach meiner ersten Begegnung mit Rinpoche im Herbst 2012 wurde mir klar, dass sich mir durch Tsoknyi Rinpoche und seine direkte und lebendige, ja manchmal unverblümte und unkonventionelle, dennoch sehr herzliche Art zu lehren ein völlig neuer Zugang zum Dharma eröffnet wurde. Nach 15 Jahren als Schülerin eines anderen großen Dzogchen-Meisters und viele Retreats sowie unzählbare Sadhanas später war mir, als bekäme die von ihm gesetzte Saat durch Tsoknyi Rinpoche nun das Wasser und die (Herzens-) Wärme, um endlich aufgehen zu können. In dem soeben vergangenen Mai-Retreat ging der Prozess so weiter, knüpfte nahtlos an das Vorherige an. Einsichten und Erkenntnisse tauchten einfach auf, viele Fragen lösten sich, während ich einfach nur saß und mich im Guru -Yoga mit Rinpoche verband, während er lehrte. Ganz besonders traf mich, dass es eines gesunden subtilen Körpers bedarf, um erfolgreich praktizieren zu können. Dies war für mich ein ganz neuer Aspekt. Wenngleich mir zumindest intellektuell klar war, wie wichtig in der Vajrayana-Praxis das erlebte Sein als z.B. Tara-Manifestation ist, so hat mir Tsoknyi Rinpoche eindrücklich klar gemacht, dass es hierfür eines gesunden subtilen Körpers, offener Kanäle und Bindus bedarf, bevor es in höhere/tiefere/ weitere/ Erfahrungsebenen gehen kann.

Aber die eigentliche Offenbarung war: Tsoknyi Rinpoche ist es gelungen, in mir die gefühlte Erkenntnis und Gewissheit aufsteigen zu lassen - ja, Befreiung IST in diesem Leben möglich! Meine Zufluchtnahme in der zweiten Woche des Retreats war nur noch die äußere Manifestation meiner inneren Überzeugung.

So ist nun das Neue in meinem Leben, mich liebevoll um meinen Körper zu kümmern,Handshake mit meinen ungeliebten Mustern zu praktizieren und mich in kurzen Sequenzen, oft über den Tag verteilt, im Gewahrsein zu üben. Nach diesem Retreat gelingt es mir endlich, den sich in mir manifestierenden Dauerturbulenzen durch die Kleshas enstpannter zu begegnen, wissend – sie sind real, aber nicht wahr. Das viele, über die Jahre angesammelte intellektuelle Wissen wandelt sich mehr und mehr in angewandte Alltagspraxis. Und ich kann mich (dank einiger nahestehender Sanghafreunde) durch Hören der Retreat-Mitschnitte immer wieder mit Tsoknyi Rinpoches Herzensgüte und seinem für ihn typischen Humor verbinden, der durch Andreas Kretschmars unvergleichliche Art des Übersetzens eine ganz eigene Nuancierung erfährt.

So scheint mir in meinem ersten Wurzel-Guru der Vateraspekt, in Tsoknyi Rinpoche der Mutteraspekt der Boddhisattvas zu begegnen. Die vollkommene Verbindung.

Ich glaube, wir können gar nicht ermessen, wie gesegnet wir uns fühlen können, dem Dharma in dieser Form folgen zu dürfen. Mögen wir achtsam und dankbar damit umgehen! Um unser Samaya zu halten. Um die großen Mühen zu würdigen, die Rinpoche auf sich nimmt, um zu lehren. Damit der Dharma in jedem von uns seine wundervollen Früchte zum Wohle aller fühlenden Wesen entfalten kann.

Und wenn's auf dem Weg dahin mal nicht klappt: OM so what SVAHA - Be happy without reason!

Eine Schülerin aus Deutschland

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