Den inneren Frieden finden (Seminar 1)

Rinpoche attestiert uns westlichen Schülerinnen und Schülern Intelligenz und gutes Organisiertsein – sehr kostbare Qualitäten für die Dharma-Praxis! Vielen von uns fehle aber die Fähigkeit zu entspannen und zu vertrauen, unser subtiler Körper sei verkrampft, durcheinander gebracht, verwundet. Da ist eine Blockade, die uns nicht erlaubt, inneren Frieden zu erfahren – was eigentlich unser Geburtsrecht wäre, wie er sagt.

So hat er sich wiederum – wie schon all die Jahre zuvor – zum Einstieg viel Zeit genommen für diesen geschwächten Anteil unseres Geist-Körper-Systems und uns nochmals vertieft vermittelt, wie sich Geist, Körper und die Empfindungen des subtilen Körpers synchronisieren lassen.  

Mit seinen Darlegungen zum subtilen Körper beschreibt Tsoknyi Rinpoche präzis meine Not. So nehme ich mir in der täglichen Praxis viel Zeit, um den Geist in den Körper zu bringen, den subtilen Körper „sich ausdrücken zu lassen“, wie Rinpoche es nennt, keine Methode anzuwenden, nichts zu unterdrücken, nichts zu bevorzugen, mich nicht zu involvieren, keinen Wohlfühl-Zustand herzustellen, sodass sich die Wunde von sich aus öffnen kann. „Sei damit und warte“.

So können sich Ruhe, inneres Wohlsein und Essenzliebe einstellen. Diese Essenzliebe sei eine reine Empfindung des subtilen Körpers und keine Emotion und sie sei bereits der Anfang von Bodhicitta! Das ist eine kühne Aussage, der ich weiter nachgehen will.

Über all die Jahre ist nun zu beobachten, wie der Meister in kreisenden oder spiralförmigen Bewegungen die Belehrungen zur Gesundung des subtilen Körpers vertieft – und von Anfang an in die richtige Richtung führt. Denn auch wenn wir mit diesem Gesundungs-Programm noch nicht im Buddhismus sind, wird es offensichtlich, dass all die Anleitungen völlig kongruent sind und der Meister weiter führende Instruktionen problemlos darauf aufbauen kann.

In einem weiteren Kreis hat Rinpoche uns dann prägnant den Unterschied deutlich gemacht zwischen diesen Praktiken zur Gesundung und der Lehre des Buddha, die auf die Befreiung abzielt. Gesund geworden – so sagte er – sehen, erfahren, spüren wir (im Körper!), dass das Unbefriedigende (dukkha) weiterhin da ist. Das ist Samsara, wir sind im Samsara und im Samsara liegt ein grundlegender Fehler. Die Fehlerhaftigkeit liegt in der Annahme, dass das, was wir erleben und wahrnehmen, wahrhaftig existent ist: mich gibt es, die Welt gibt es und wir sind getrennt. Der Buddha hat den Weg gezeigt aus dieser falschen Sichtweise, die aus der Ich-Fixierung resultiert.

Tsoknyi Rinpoche sagt: „So das Unbefriedigende, Disharmonische, das Leiden zu sehen ist gesund“! Und: „Wenn wir im Hier und Jetzt verweilen, ist da etwas, das mich formt, dem ich nicht entkommen kann… Etwas, das ewig erscheint, eine Blockade, das das Verhalten, Denken usw. formt.“ Die Tradition nennt dieses Etwas das „verfestigte Ich, das Für-wahr-haltende Ich“.

Für mich neu und ausgesprochen spannend war die Erfahrung in geführten Übungen, dass man dieses verfestigte Ich im (beruhigten!) subtilen Körper spüren kann. Kein Wunder, wies uns der Meister wieder und wieder an, vom Körper her die weiter führenden Belehrungen zu praktizieren, nicht vom Kopf her. Übrigens ließ er auch verkopfte Antworten auf seine Fragen an uns nicht gelten, seien sie faktisch noch so richtig gewesen, denn offensichtlich wollte er, dass wir nach und nach aus der Verbindung mit den gesunden Empfindungen den Dharma verstehen lernen.

Er möchte, dass uns die Integration der Lehre des Buddha und der Praxisformen des Mahayana und Vajrayana ins Leben gelingt, der subtile Körper mit an Bord ist, saftig bleibt, saftiger wird. Auch mir eher vergeistigtem Wesen fängt das an einzuleuchten. Ich werde berichten, wenn sich mein Hühnerherz zu einem mutigen und starken Yak-Herz transformiert hat…

In einem der vielen kleinen scherzhaften Dialoge zwischen Tsoknyi Rinpoche und Andreas Kretschmar, dem so hilfreichen und begnadeten Übersetzer, ist deutlich geworden, dass beide nicht die Absicht haben, sich bald pensionieren zu lassen. Wie gut für uns!

Eine Schülerin aus der Schweiz

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