Seminarberichte 2012

Einführungsseminar 2012

Eine Schülerin aus Deutschland berichtet

Vor einer Woche habe ich meinen nicht ganz billigen Lieblingspullover verloren – weg ist er. Eine geeignete Situation, um mein Selbstaversions-Muster zu reaktivieren mit Gedanken wie: „Das ist ja wieder typisch. Wo hast du deinen Kopf wieder gehabt? Warum hast du ihn überhaupt dahin mitgenommen? Hättest doch wirklich besser aufpassen können.“ Aus den Emotionen (Tsoknyi Rinpoche lehrt: aus dem subtilen Körper) kamen schmerzhafte Impulse wie Reue, Hilflosigkeit, Ärger, Genervtsein, auch Angst wegen der Unkontrollierbarkeit usw., verstärkt durch die urteilenden Gedanken: Man kennt ihn ja, den Krieg, den das System gegen sich selbst führt.  

Es wurde also Zeit, die von Tsoknyi Rinpoche gelehrte „Handschüttel-Praxis“ anzuwenden: Ich setzte mich aufs Kissen und ließ die negativen, verurteilenden Gedanken ganz und gar in den Körper hineinfallen – wieder und wieder, wenn sie nochmals hochschossen und fasste den Entschluss, den Geist wirklich einfach präsent sein zu lassen bei all den Empfindungen aus dem subtilen Kör- per. Ich rief mir die Worte des Meisters in Erinnerung: „Das Nicht-Beurteilen ist die Freundlichkeit, ist das Vertrauen. Mit dieser Grund-Akzeptanz des Geistes, ohne jeden Geheimplan, ohne jede Absicht, können sich Verkrampfungen im subtilen Körper langsam lösen und eine Offenheit stellt sich ein.“ Körper, Emotionen aus dem subtilen Körper und der Geist werden synchronisiert, inneres Wohlsein – Essenzliebe – kann sich einstellen.

Seminarhaus und Gompa in Hart am Chiemsee, 2012

Dieses innere Wohlsein klärt auch wieder die Sicht auf die eigene Situation und die „Außenwelt“. Diese Handschüttel-Praxis ist noch nicht Shamata. Wichtig ist jedoch, dass sich damit ein Grundsatz der Mediationspraxis umsetzen lässt, der lautet: Alles darf sein. Alle Gefühle und Empfindungen haben Platz, nichts muss vermieden werden. Unterdrückt man das Unangenehme und scheinbar Inakzeptable, unterdrückt man auch das Gesunde, so lehrt Tsoknyi Rinpoche.

Ich gebe zu, dass ich die Praxis der Achtsamkeit oder Shamata immer wieder eingesetzt habe, um unliebsame Empfindungen in Schach zu halten, sie in den Griff zu bekommen, mich letztlich von ihnen zu distanzieren – einfach, weil der innere Krieg zu schmerzhaft war. Nun bin ich so dankbar, dass ich lernen und üben kann, wie sich die Aspekte meines Seins klar unterscheiden lassen und wie sie zu einer friedvollen Zusammenarbeit, Hand in Hand, kommen können.

Rinpoches wiederholte Belehrungen, seine Hinweise und die Übungen zum subtilen Körper sind für mich auch ein wesentlicher Schritt zur ganzheitlichen Integration der Lehren und Praxismethoden des Mahayana und Vajrayana – gerade für jemanden wie mich, die ein wenig zu heiligem Übereifer neigt. So möchte ich noch weitere Erfahrungen damit machen und erleben, wie sich Praxisdisziplin und Entspannung die Hände schütteln und der Weg immer authentischer wird.  

 

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