Die vier Arten von Ego (Teil 2 von 2)

Wer praktiziert den Dharma?

Dharma-Belehrungen betonen Egolosigkeit,  wir können jedoch vier Arten von Ego identifizieren, welche ein Gefühl von Individuum erzeugen. Diese vier Egos sind nicht so beständig wie ein Hauptwort impliziert; sie verhalten sich mehr wie Verben, sie sind ein aktiver, bedingter Fluss, unbeständig, aber erkennbar als relative Erfahrung. Durch diese relativen Erfahrungen üben Menschen viele Dinge aus, eingeschlossen die Dharma-Praxis. Aber wenn da kein beständiges und unabhängiges Selbst ist, wer ist es dann, der den Dharma praktiziert?

Es ist das „bloße Ich“, die subtilste Erfahrung von Selbst, die mit der Geburt beginnt.
Obwohl wir das bloße Ich erfahren können, ist es keine unabhängige, autonome, beständige Entität. Es ist weder tugendhaft noch untugendhaft, noch wird es von belastenden Gefühlen beeinflusst. Das bloße Ich ist der Wissende, der vor-konzeptuell wissend ist,  nämlich durch einfaches, direktes Gewahrsein der Erfahrung der Phänomene. Wenn die Wahrnehmung von bloßem Ich ständig aufrecht erhalten werden könnte, würden alle Phänomene als „bloße Illusion“ oder „bloßer Traum“ wahrgenommen werden. Aber wir sollten bloße Ich-Erfahrungen nicht aufrecht erhalten, auch wenn alles Existierende rein ist. Du bist bloß oder rein, Schlafen und Träumen sind rein. Verheiratet zu sein und Kinder zu haben ist rein. Die Aktienbörse ist rein. Nahrung, Häuser und Berge… alles ist rein. Aber auch mit einem derartig guten intellektuellen Verständnis werden die Dinge nicht  auf diese Weise erfahren, weil „beständige Realität“ in unserer Wahrnehmung  verwurzelt ist. Diese wahrgenommene Realität trennt das Gewahrsein der „Rein-heit“  von allem –eingeschlossen der „Rein-heit“ von uns selbst. Dadurch erkennen wir uns nicht als  bloßes Ich. Im Allgemeinen streben wir danach die Illusion aufrecht zu erhalten, dass wir Entitäten sind, die wirklich existieren, beständig wie Hauptwörter… Hauptwörter mit sehr komplizierten Egos und komplexen Leben.
Wie konnte diese Illusion entstehen? Vom Augenblick der Geburt an wurde uns „Realität“ beigebracht und mit dieser Konditionierung des Geistes kommt die Ausformung des zweiten Ego, des „verdinglichten Ich“. Sobald wir geboren sind gibt es eine Fixierung von „Es ist ein Junge… Es ist ein Mädchen!“ und so beginnt unser verdinglichtes Selbst, unser verdinglichtes Leben. Mit der Zeit glaubt dieses verdinglichte Ich, dass es wirklich existiert. Wie auch immer, im Buddhismus erkennen wir, dass diese Verdinglichung  eine „Realification“ ist, also nichts anderes als eine konditionierte Fehlwahrnehmung, die Annahme einer scheinbaren „Wirklichkeit“. Aber sobald diese konditionierte Fehlwahrnehmung beginnt, wächst sie rasch und übernimmt unsere ganze Wahrnehmung, eingeschlossen der Wahrnehmung von einem Selbst, einem Ich.
Es ist nicht leicht, die Festigkeit dieser scheinbaren Realität mit dem Verständnis, dass alles eine Illusion, alles ein Traum ist, zu durchbrechen. Wie oft sagen wir zu uns selbst, „Das ist ja bloß ein Traum“ wenn wir durch den Tag gehen? Denken wir das, wenn wir wütend oder glücklich sind? Nein. Wenn wir leiden, denken wir nicht,
„Ah, das Leiden zeigt mir die Mängel dieser samsarischen unbeständigen Existenz.“ Stattdessen eher, „Oh wie schrecklich! Das wird mir für immer bleiben, jetzt bin ich erledigt.“
Menschen denken so etwas ohne mit der Wimper zu zucken, weil die Wahrnehmung des verdinglichten Ich automatisch entsteht. Was können wir gegen diese Fehlwahrnehmung unternehmen? Nun, wir können die Natur der Dinge untersuchen und erkennen, dass nichts unabhängig ist von der wahren eigenen Natur. Aber nur die Idee allein hilft uns nicht viel. Gerade Wissenschaftler, die aber nur intellektuell davon überzeugt sind, kommen, nachdem sie die Natur der Wirklichkeit untersucht haben, zum selben Ergebnis wie Buddhisten. Ihre Alltagserfahrung ist die eines jeden anderen mit einem verdinglichten Ich. Wenn sie sich ein Problem anschauen, erscheint das Problem einer anderen Person als wahr und beständig!
Warum ist das so? Weil konditionierte Wahrnehmung automatisch den Vorrang hat gegenüber intellektuellem Verstehen. Wir reagieren nicht gemäß der Theorie, sondern gemäß unserer Konditionierung, welche die angesammelte Erfahrung ist, die uns sehr geprägt hat in unserer gewohnheitsmäßigen Fixierung. Indem man alles, mit seiner inhärenten Natur Verbundene, als beständig betrachtet, ist die verdinglichte Fixierung aller Phänomene, die Basis unserer samsarischen Erfahrung.
Basierend auf dem verdinglichten Ich und  beginnend mit dem Alter von etwa zweieinhalb Jahren, hat der nächste Spieler in der Welt des Ego seinen ersten Auftritt. Wenn ein Kind vier Jahre alt ist, ist das dritte Ego an einem selbst-zentrierten und selbst-bezogenen Ego erkennbar, bereit die äußere Welt zu treffen und zu begrüßen… im allgemeinen mit seiner eigenen Ausdrucksfähigkeit! Es weiß nicht nur, dass es existiert, es weiß auch, dass es als Ich existiert (das hat viel von einem MEIN). Es ist das Zentrum des Universums und wird fortan vollkommen kindliche Neugier und Selbst-Wichtigkeit an den Tag legen. Wenngleich das selbst-zentrierte Ego glaubt, dass es der zentrale Bezugspunkt all seiner Erlebnisse ist, so ist die Grund-Qualität nicht Selbstvertrauen, stattdessen dünnhäutige Reizbarkeit, während es versucht seinen Herrschaftsbereich zu verteidigen. Es hat ein lebendiges Interesse an sich selbst und an der Welt, jedoch ist es durch einige Rückmeldungen die es erhält, leicht  zu verletzen, zu verärgern oder zu ängstigen. Dieses selbst-zentrierte Ich ist schon bald seiner eigenen Existenz – und wie es zu verstehen und zu behandeln ist – gewahr. Entwicklungstechnisch wird das als die natürliche Evolution der menschlichen Persönlichkeit betrachtet. Aber aus der buddhistischen Perspektive sind wir auf dem besten Weg uns selbst zu isolieren, solange wir selbst­zentriert sind, uns an das Ich klammern, uns selbst wichtig nehmen und uns vor den Kränkungen der anderen schützen wollen.
Dieses dritte Ich braucht viel Pflege! Langsam aber beständig beginnen wir damit zu leben; mit dem dritten Ich ist ein originales Betriebssystem tief in den subtilen Körper eingebaut und die Show läuft ab. Normalerweise können wir nicht benennen, was uns so unruhig macht, aber wir neigen dazu, es persönlich zu nehmen. Wenn das selbst-zentrierte Ego die unvermeidliche Substanzlosigkeit und Veränderlichkeit des Lebens spürt, fühlt es sich an wie eine persönliche Müdigkeit oder wie etwas Wertloses. Oft fühlen wir, dass wir stärker oder besser sein sollten als wir sind. Wir haben nicht mitbekommen, dass es nichts Persönliches ist, dass es nur die Natur von allen unbeständigen zusammengesetzten Dingen ist, das Ich eingeschlossen. Wir glauben, dass wir das selbst-zentrierte Ich (wir glauben es sei unser wahres Selbst) vor Verletzung, Einsamkeit oder davor, von anderen missverstanden zu werden, schützen müssen.
So viel Mühe und Leiden sind notwendig, um dem dritten Ich die Sicherheit zu geben, dass es geliebt wird. Mit der Zeit hat sich die dem dritten Ich innewohnende Selbstwichtigkeit etabliert und die Wahrnehmung ist erst recht eingeengt und heruntergefahren. Unbeständigkeit und Leiden sind wie eine persönliche Beleidigung… Das selbst-zentrierte Ich verdient glücklich zu sein, glücklich, glücklich, ohne Unbeständigkeit, ohne Leiden. Gewiss ist es schwierig, das aufrecht zu erhalten, weil die Natur des Lebens nicht so ist. So sagt das selbst-zentrierte Ego, ich bin klug, ich bin ein Buddhist, ich weiß, dass sich Dinge verändern, und ich weiß, dass es da Leiden gibt. Aber ich verdiene Glück und Bequemlichkeit und dass ich es nicht so schwer habe. Ich glaube, dass ich trotz Unbeständigkeit glücklich sein kann.
Ich weiß, dass mein Geist, ohne dass es das Ich geschehen macht, kein Glück finden wird, also werde ich wirklich Verantwortung übernehmen müssen. Ich kann mich selbst glücklich machen… Ich kann es tun!  Wir warten auf etwas, das uns Glück bringen könnte. Stellen sie sich zum Beispiel vor, dass, als Rinpoche eine Belehrung gab, ihm folgendes durch den Kopf ging: “Die Leute sind so glücklich mit meiner Belehrung! Sie mögen Tsoknyi Rinpoche!“ Mit dieser Idee lebt das selbst-zentrierte Ego, das dritte Ich auf, wird verwickelt und klammert sich an die Identität, ein wunderbarer Lehrer zu sein. Stellen sie sich vor, dass mit wachsendem Erfolg ein viertes Ich entsteht, das „soziale Ich“, gefüttert mit einer starken Identifikation, ein erfolgreicher Lehrer zu sein.
Das soziale Ich versucht wahrscheinlich sofort, sobald Feedback gegeben wird, den Schülern von Tsoknyi Rinpoche zu gefallen. Schlussendlich mag das soziale Ich gedacht haben, “Meine Studenten haben gesagt: Tsoknyi Rinpoche ist ein guter Lehrer, er ist lustig und klug und das glaube ich jetzt auch.“ Warum? Wir können uns leicht vorstellen, dass es das soziale Ich befriedigt zu wissen, dass es einen so bewundernswerten Lehrer hervorbringen kann. Aber es geht dabei nicht nur darum, dass es selbstgefällig ist… es fühlt sich als beständig an, ja, als… ein Ich!“  Im Allgemeinen haben wir ein gewisses Bewusstsein davon, dass dieses Ich genauso unbeständig ist wie all die anderen Ich`s, die wir zuvor bewohnt haben. Oder vielleicht befürchten wir, dass die natürliche Unbeständigkeit und Angst verloren gehen könnte, wenn wir nicht ständig daran arbeiten. So oder so, wir möchten uns selbst sehen und es gibt Andere die uns auf eine gewisse  Art sehen. So halten wir an Hoffnung und Furcht fest und erhalten auf diese Weise das soziale Ich aufrecht. Genau das ist Leiden. 
Das Soziale Ich kann sogar die Dharma-Praxis dominieren. Zum Beispiel wenn jemand sagt, „Oh du bist so ein großer Sitzer. So ein großer Meditierender!“ Für das soziale Ich ist es ein leichtes so ein Selbstbild zu erzeugen. Das soziale Ich braucht  es, von anderen anerkannt und bewundert zu werden dafür, wie es sitzt. Und schon bald glaubt es das, “Ja, ich bin ein großer Sitzer!“
Die Vorstellung eines großen Meditierenden reflektiert uns, wer das soziale Ich sein  möchte. Wir erwarten das von uns selbst, brauchen aber Andere, die uns ständig sagen, wie toll wir sind, weil es die Unbeständigkeit schwer macht dies allein aufrecht zu erhalten. Tatsächlich vergessen aber die anderen die meiste Zeit, es zu sagen. Sie haften nicht an unserem sozialen Ich an, wir tun das. Wenn wir nicht genug  Anerkennung bekommen, kommt beim selbst-zentrierten Ich ein wenig Beunruhigung auf, fragt sich das soziale Ich, was es falsch gemacht hat – „Lieben mich die Menschen denn nicht mehr? Warum beachten sie mich nicht mehr? Ich habe mich sehr bemüht, habe hart daran gearbeitet.“
Wenn es Schwerarbeit ist, das selbst-zentrierte Ich aufrecht zu erhalten, so ist es noch härter das soziale Ich aufrecht zu erhalten!  Man benötigt eine Menge Leute, um nur ein soziales Ich aufrecht zu erhalten und jeder ist für gewöhnlich mit seinem eigenen sozialen Ich sehr beschäftigt und braucht es, von uns anderen umsorgt zu werden. Und so haften wir stark an unseren Selbstbildern fest, scheuen keine Mühe, all das aufrecht zu erhalten und beobachten die Anderen, um zu sehen, ob wir wohl alles richtig machen.
Um das für uns zu überprüfen, lasst uns genau jetzt schauen, wo wir uns mit den vier Egos befinden. Wir brauchen uns nicht um das bloße Ich zu sorgen – es ist immer unsichtbar für uns, unsichtbar deshalb  weil es nicht von Verdinglichung und Bedürftigkeit getrübt ist. Um das verdinglichte Ich, das selbst-zentrierte Ich und das soziale Ich zu sehen, ist es notwendig, einen raschen Blick auf uns selbst zu werfen. Wenn wir das tun, werden wir uns wo wiederfinden?  Meistens werden wir sehen, dass wir das soziale Ich bewohnen. Ungefähr 90% von uns befinden sich die meiste Zeit dort, sorgen sich um Vergangenheit und Zukunft und versuchen, das soziale Ich mit einem beschleunigten Lung aufrecht zu erhalten. Sogar 20 Minuten nach dem Schlafengehen haften wir noch am sozialen Ich, denken wir darüber nach, was wir gesagt und getan haben, wie die Leute das aufgenommen haben, uns darin einübend was wir als nächstes tun. Wir sind alleine, niemand beachtet uns, noch immer sind wir mit dem sozialen Ich verwickelt, durchleben den vergangenen Tag noch einmal und planen die Zukunft.
Wenn wir unterbinden wollen, dass das soziale Ich uns verfolgt, ist es das erste, unseren inneren Takt, unseren inneren Rhythmus zu finden, weil jeder eine andere Geschwindigkeit hat. Bei unserem komplizierten Lebensweisen rauschen wir jeden Tag durch einen fixen Ablaufplan. Indem wir einen solch hohen Druck erzeugen, entsteht Stress und lässt uns das Adrenalin einschießen. Und dann tut unser Geist alles gemäß unserem „Adrenalin-Speedometer“. Es ist ein wirkliches Problem, wenn wir aus dem sozialen Ich heraus leben und uns nach der Adrenalin-Geschwindigkeit bewegen, weil das Adrenalin-Speedometer nur eine hohe Geschwindigkeitseinstellung kennt und so werden wir beschleunigt. Soziales Ich, Beschleunigung, Adrenalin, Stress und Angst sind alle Teil der „Lung-Familie“.  Also müssen wir  in unser Gehirn gehen oder eben dorthin, wo das Problem liegt, wir müssen eine langsamere Geschwindigkeit fahren und dem Problem Liebe geben. Sprich mit der Schnelligkeit, dem Adrenalin und dem Stress, sag, „Liebling, es ist ok. Wir können langsamer fahren. Wir müssen uns nicht beeilen. Die Welt geht nicht gleich unter. Bewege dich viel langsamer. Denke viel langsamer. Es ist gut, das zu tun.“
Sicherlich sind einige Menschen von Natur aus beschleunigt. Es ist ok, die Dinge ein bisschen schneller zu machen oder ein bisschen schneller zu denken. Es gibt eine persönliche Geschwindigkeit. Wenn die Geschwindigkeit von jemandem langsamer ist, so ist das seine oder ihre Geschwindigkeit. Wir müssen unsere eigene Geschwindigkeitsbeschränkung kennen. Wenn unsere Geschwindigkeits-Belastbarkeit bei 35 liegt und wir 50 fahren, wird schlussendlich etwas in unserem Körper verkehrt laufen. Wir werden erschöpft und unglücklich, weil wir in einem leeren, beschleunigten, Adrenalin-gelenkten, Angst-besetzten sozialen Ich gefangen sind. 
Ich sage nicht, dass wir das soziale Ich ununterbrochen beseitigen sollen. Aber wir sollten lernen, uns vor der Beschleunigung in acht zu nehmen oder sie wird uns unsere Freude, unsere Liebe und unsere Offenheit auffressen. Wenn wir unsere Ressourcen überbeanspruchen, werden wir sie verbrauchen und das tigle (Samen der Energie) wird austrocknen. Wir werden keinen Saft haben und zu einem vertrockneten Gemüse werden. Da ist viel, das getan werden kann, um das zu heilen, alles was getan werden muss, ist es zu tun. Das Lung hinunter zu bringen und die vier Achtsamkeiten anzuwenden wird dazu führen, dass beide, Geschwindigkeit und übersteuertes soziales Ich, versorgt werden. Wenn wir uns um die Geschwindigkeit kümmern, wird Freude entstehen. Bedingungslose Liebe und Freude. Denn auf dieser Liebe und Freude beruhend ist die Welt viel strahlender, viel weniger bewölkt. Unsere Herzen werden sich öffnen und wir werden wesentlich furchtloser sein. Unsere weltliche Arbeit wird viel angenehmer sein und wenn wir den Dharma praktizieren, werden wir viel erfolgreicher sein.
Aber wir sollten nicht extrem werden. Ich habe wirklich Angst vor Extremisten, weil sie weise Belehrungen verdrehen. Sie hören, dass einige Aspekte des sozialen Ich nicht so gut sind, deshalb springt das selbstzentrierte Ich auf die andere Seite, “Oh nein! Ich möchte nichts mit dem sozialen Ich zu tun haben!  Ich möchte nicht auf diese Art, nicht ich!“ Oder sie fühlen sich mit dem sozialen Ich gefüttert und rennen in den Himalaya. Das ist auch nicht gesund.
Wenn wir uns hinsetzen und uns selbst mit dem Verständnis der vier Egos anschauen, sehen wir, dass da auch Raum ist, nicht nur die Egos. Da ist wirklich so viel Offenheit, so viel Platz. Wenn wir Offenheit, Unbeständigkeit und Leerheit nicht verstehen, wird alles durch das Konstrukt der vier Egos erfahren, welche sich im Allgemeinen wie ein großes festes Ego anfühlen.
Das ist der Grund weshalb wir das verdinglichte Ich, das selbst-zentrierte Ich und das soziale Ich durchbrechen müssen, um die Erfahrungen des bloßen Ich erreichen zu können. Das heißt nicht, dass wir dadurch, dass wir die Dinge als nicht real ansehen diese Dinge anders sehen werden als zuvor. Damit ist nicht gemeint, dass Glas schmilzt oder alles schimmert und sich in Licht verwandelt oder irgendetwas in dieser Art.
Gerade wenn wir die wahre Natur der Dinge verstehen, sind unsere Sinne und unser Bewusstsein immer noch unter dem Einfluss des karmischen Pfades. Wir nehmen die Dinge weiterhin gleich wahr wie zuvor, aber alles wird mehr und mehr wahrgenommen wie die Sterne, die sich auf der Wasseroberfläche spiegeln. Wenn der Geist ruht, erlauben wir den Augen, den Ohren und so weiter ihren eigenen Job zu machen, nämlich zu sehen, zu hören etc. Kurzum, wir müssen nur die verfälschte Vorstellung eliminieren, dass die Dinge eine wahre und wirkliche Natur haben. Wenn wir das regelmäßig tun, stoppen wir die Aktivierung der verdinglichten, selbst-zentrierten und sozialen Ego-Musters und das bringt Erfahrung hinein in das, was intellektuell durch Untersuchung bereits verstanden wurde. Ehrlich, alles was jetzt geschehen muss, ist, das bloße verdinglichte Ich, das bloße selbst-zentrierte Ich und vor allem das bloße soziale Ich kennenzulernen. Das ist alles, was wir wirklich tun müssen.

Quelle: pundarika.org >  archive > June 2011 > The four Egos (part 2)

Übersetzung: chl

Weitere Belehrungen von Tsoknyi Rinpoche auf Englisch, siehe tsoknyirinpoche.org/teachings.html.
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